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Sandra Kemmann im Kunsthaus Lisa – Ein Residenzbericht
Neue Impulse zwischen Linie, Licht und Landschaft
Meine Residenz im Kunsthaus Lisa in Marlow vom 1. bis 21. Oktober 2026 stand ganz im Zeichen der Weiterentwicklung meiner Werkreihen Linientreu und Kemmania. Ich kam mit dem Wunsch, neue Inspirationen zu finden, meine künstlerische Arbeit weiterzuführen und mich auf die Eindrücke eines anderen Ortes einzulassen. Diese Inspirationen habe ich gefunden – in den Alleen von Marlow und seiner Umgebung, in der rauen Natur und vor allem im wechselnden Spiel des Lichtes im Laufe des Tages.
Die Landschaft wurde für mich dabei nicht einfach zum Motiv. Vielmehr ging es darum, ihre Rhythmen, ihre Strukturen und ihre Veränderungen in meine eigene Bildsprache zu übersetzen. Das Erlebte sollte nicht abgebildet, sondern malerisch verarbeitet werden.
In meinem Diptychon „Nachtlauf“, bestehend aus zwei Arbeiten von jeweils 50 × 100 cm und einer Gesamtgröße von 100 × 100 cm, habe ich diese Eindrücke aufgegriffen. Die beiden Bilder stehen miteinander in Verbindung und eröffnen zugleich eigene Bildräume. Es geht um Bewegung, Wahrnehmung und das, was zwischen Tag und Nacht, zwischen Natur und urbanem Erleben sichtbar wird.
Ein Schwerpunkt meiner Arbeit lag auf der Werkreihe Linientreu. Während der Residenz konnte ich diese weiterentwickeln und neue Möglichkeiten im Umgang mit Material und Oberfläche erproben. In einer zweiten Arbeit setzte ich einen pastosen Untergrund ein. Dabei interpretierte ich auch die Mosaiken des Kunsthauses Lisa auf meine eigene Weise und überführte deren strukturelle Wirkung in meine Malerei. Der Ort wurde damit selbst zu einem Impulsgeber meiner künstlerischen Arbeit.
Mit dem dritten Werk, „Linientreu – Gleichzeitigkeiten“, brachte ich bewusst Berliner Einflüsse nach Marlow. Meine Arbeit bewegt sich zwischen unterschiedlichen Wahrnehmungsebenen, zwischen urbaner Verdichtung und landschaftlicher Erfahrung, zwischen Ordnung und Bewegung. Die Residenz war für mich deshalb nicht nur eine Begegnung mit einer neuen Umgebung, sondern auch eine Möglichkeit, meine eigene Bildsprache aus einer anderen Perspektive zu betrachten.
Neben der künstlerischen Arbeit war mir die Einrichtung eines eigenen Arbeitsplatzes wichtig. Diese Stelle hinter dem Schuppen ermöglichte mir, mich konzentriert auf den Arbeitsprozess einzulassen und die täglichen Eindrücke unmittelbar in meine Arbeit einfließen zu lassen.
Ein besonderer Bestandteil der Residenz war für mich das soziale Miteinander. Vor allem der Austausch und das Zusammenleben mit den Frauen des Vereins empfand ich als bereichernd und inspirierend. Künstlerische Arbeit entsteht zwar häufig in der konzentrierten Auseinandersetzung mit Material und Bild, sie lebt aber ebenso von Begegnungen, Gesprächen und anderen Perspektiven.
In diesem Zusammenhang war auch die Auseinandersetzung mit der literarischen Verarbeitung der Erfahrungen ehemaliger Verschickungskinder durch Anja Röhl für mich von besonderem Interesse. Ihre Arbeit eröffnet einen wichtigen Blick auf eigene und verdrängte Erfahrungen sowie gesellschaftliche Strukturen. Ich empfinde diese Beschäftigung als eine feministisch relevante Position, die Erinnerung, Aufarbeitung und die Sichtbarkeit von Lebensgeschichten miteinander verbindet.
Am 15. Oktober 2026 fand unsere Residenzausstellung statt. Für diese Ausstellung gestaltete ich den Flyer und begleitete meine künstlerische Arbeit außerdem mit täglichen Beiträgen auf Instagram, die ich in Kooperation mit dem Kunsthaus Lisa veröffentlichte. So konnte ich den Entstehungsprozess, die Arbeiten und die Erfahrungen vor Ort kontinuierlich vermitteln und die Residenz auch über den unmittelbaren Kreis der Beteiligten hinaus sichtbar machen.
Die Zeit in Marlow hat mir neue Impulse gegeben und meine Werkreihe Linientreu um weitere Aspekte bereichert. Ich nehme aus der Residenz nicht nur neue Arbeiten mit, sondern auch die Erfahrung, wie sehr ein Ort, seine Lichtverhältnisse, seine Materialien und die Menschen, denen man dort begegnet, den eigenen künstlerischen Prozess beeinflussen können.
Für mich war die Residenz im Kunsthaus Lisa eine Zeit des konzentrierten Arbeitens, des Austauschs und der Weiterentwicklung – eine Begegnung zwischen meiner Berliner Bildsprache und den besonderen Eindrücken von Marlow.
Sandra Kemmann | 1.–21. Oktober 2026
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